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Dienstag, 13. September 2011

Aller Anfang ist schwer

 


Hallo, mein Name ist Maria. Woher ich komme? Ich komme aus Kolumbien. Nein, meine Eltern sind nicht beide kolumbianisch, sie sind deutsch. Ja, aufregend, hien?!
Als Adoptierter wird man in der heutigen Gesellschaft immer etwas "besonderes" bleiben. Ich habe gelesen:

„Und wer mir also überhaupt Probleme gemacht hat, waren, eigentlich immer die anderen. Für die war das halt immer ´was Besonderes."


Für etwas bewundert zu werden, für etwas eine herausragende Stellung einzunehmen, dem man selbst so ambivalent gegenüber steht ist recht schwierig. Vor allem, wenn man selbst nich nicht genau weiss, wie man mit dem Thema umgehen soll. Denn der offene Umgang mit meiner Herkunft begann erst mit der Pubertät. Mit und mit kam die Wahrheit ans Licht. Auch wenn ich seid ich denken kann darüber bescheid wusste und auch meine engsten Freunde und Famile davon wussten, so verfolgten meine Eltern langezeit die Politik: Es muss ja nicht jeder alles wissen. All die "Wo bist du geboren" Antworten in Freundschaftsbüchern eine Farce. Nein, ich war nicht geboren in Köln und auch nicht in Gelsenkirchen oder sonst wo in Deutschland. Ich bin geboren in Medellin. Wo ist das? in Kolumbien, die zweitgrößte Stadt, gleich nach der Hauptstadt Bogota.

Wikipedia sagt:

Medellín ist die Hauptstadt des Departamento Antioquia in Kolumbien.
Medellín mit mehr als 2,2 Millionen Einwohnern und 3,2 Millionen Einwohnern in der Agglomeration und ist somit die zweitgrößte Stadt Kolumbiens.
Medellin ist die zweitgrößte Metropolregion in Kolumbien nach Bogotá (Stand jeweils 1. Januar 2005).

 Kolumbien? Liegt das nicht in Spanien? Ja klar, porque no?
Aber wer ist schon frei von solchen Annahmen. Denn auch ich kenne mein Land nur aus dem Internet, dem Globus, den Bildern, die meine Eltern während des Adoptionsverfahrens Vorort gemacht haben und denen die Google ausspuckt.
Wenn man mich fragt, was sind die Nachbarländer, dann weiss ich wirklich nicht was ich antworten soll. Venezuela vielleicht und Peru. Aber es gibt auch noch Panama und Ecuador. Liegt Ecuador auf dem Äquator? Ach und Brasilien. Ja Brasilien das kennt man ja aus dem Fernsehn. Sao Paulo und Samba und Karneval.

Aber was antwortet man als nächstes? Ist es schwierig für mich? Kennt man seine leiblichen Eltern oder hat man sogar Kontakt. Welches Glück man doch gehabt hat nach Deutschland gekommen zu sein und welche Chancen sich einem bieten, in einem Land aufzuwachsen, welches nicht durch einen Bürgerkrieg zerstört worden ist. Wo nicht ein Mann mit Hilfe der Drogen einen Krieg gegen den Staat angezettelt hat und den eine Armee von Gesetzeslosen  und Armen für ihn ausgefechtet haben.

Ja, es ist ein Segen nicht in einem Land aufzuwachsen in dem das Leben einen Polizisten c.a. 500 € Wert ist, was man sich nach der Ermordung beim nächsten Mittelsmann Pablo Escobars abholen konnte.
Und dann Folgen Witze über Verwandtschaftsverhältnisse zu dem berüchtigsten Drogenbarons oder Kontakten zu Kakainanbauflächen in Kolumbien um "gutes Zeug" zu besorgen.

Und was passiert wenn man über diese Witze hinausgeht? Als Adoptierte hat man oft eine sehr abstrakte und kalte Sicht auf die Dinge entwickelt um niemanden mit seinen Emotionen bezüglich der Adoption zu verletzen. Was passiert also wenn man sagt: Ich bin bestellt worden? Importiert worden? Vielleicht wird darüber gelacht, über den Sarkasmus und die Ironie die hinter all dem steht. Aber vielleicht bekommt man auch nur mahnende Blicke und Vorwürfe. Vorwürfe, die man sich selber genug macht und Geisselungen die einen dazu verdammen zu schweigen.
Aber was hindert mich daran zu sagen ich sei bestellt? Adoptionen sind bezahlbare Dienstleistungen geworden. Manchmal nicht einmal legal, aber in meinem Fall über die Deutsche Botschaft in Kolumbien abgewickelt.
Es ist eine Dienstleistung die Paaren, welche nicht in der Lage sind Kinder zu bekommen, den Wunsch nach innerer Erfüllung der Partnerschaft durch ein Kind zu krönen.
Meine Eltern konnten sogar ausfüllen wie alt das Kind sein soll, welches Geschlecht, welche Hautfarbe...
Meine Eltern waren sich sicher, ich sollte Europäisch aussehen.Völlig selbstlos um ihr Kind nicht den Anfeindungen der Aussenwelt auszusetzen. Also begründet sich mein Ankommen in meiner Familie mit etwas so banalem wie meinen Weissen Haaren.
Warum darf ich also nicht schmunzeln, warum darf ich also nicht sarkastisch sein? Schließlich gleicht das Verfahren der Adoption meines erachtens dem eine Frau im "Katalog" zu "bestellen".


Warum man solche Witze nicht machen soll und oft nur negatives erntet ist die moralische Vorstellungen unserer Gesellschaft gegenüber Adoptionen.
Das Kind wurde verlassen, von leiblichen Eltern, die nicht anders konnten oder es nicht wollte, wobei dies hierbei oft in der Vorstellungen der Adoptiveltern und damit des Kindes zu einem vermischt wird: NICHT GEWOLLT.
Auf der anderen Seite stehen die gebildeten, mittelständig Situierten Adoptiveltern, die dem Kind eine zweite Chance geben,  in einer Intakten Famile aufzuwachsen und Möglichkeiten geben die weit über die des Herkunftlandes hinaus gehen. Selbstlos, als Maßnahme zum Wohle des Kindes.